Das gleichzeitige Vorliegen einer psychotischen Erkrankung und eines problematischen oder abhängigen Substanzkonsums stellt betreuende Einrichtungen vor besondere Herausforderungen. Substanzkonsum kann psychotische Symptome auslösen, verstärken und deren Verlauf ungünstig beeinflussen. Umgekehrt können psychotische Symptome, soziale Belastungen, Antriebsminderung oder Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation den Substanzkonsum begünstigen.
Bei den betroffenen Personen finden sich häufig eine geringe oder schwankende Behandlungsmotivation, eine unregelmäßige Medikamenteneinnahme, wiederholte Therapieabbrüche, soziale Desintegration und ein erhöhtes Risiko für psychiatrische und suchtbezogene Rückfälle. Klassische Behandlungsangebote, die entweder ausschließlich auf die Psychose oder ausschließlich auf die Suchterkrankung ausgerichtet sind, greifen daher vielfach zu kurz.
Im Seminar werden praxisnahe Grundlagen und Interventionen einer integrativen Behandlung vermittelt, bei der psychotische Erkrankung und Substanzkonsum gemeinsam betrachtet und bearbeitet werden. Im Mittelpunkt stehen die therapeutische Beziehungsgestaltung, die Förderung von Veränderungsmotivation, eine verständliche Psychoedukation sowie die Entwicklung individueller Strategien zur Rückfallprophylaxe und zum konstruktiven Umgang mit Rückfällen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie auch Personen erreicht werden können, die ihren Substanzkonsum zunächst nicht verändern möchten, Zusammenhänge zwischen Konsum und psychischer Erkrankung nur begrenzt erkennen oder bisherigen Behandlungsangeboten ambivalent gegenüberstehen. Hierzu werden Grundprinzipien der Motivierenden Gesprächsführung vorgestellt und auf die besonderen kognitiven, emotionalen und kommunikativen Bedürfnisse psychoseerfahrener Menschen übertragen.
Anhand von Fallbeispielen und Übungen werden konkrete Möglichkeiten erarbeitet, Konsummotive und Risikosituationen zu verstehen, Frühwarnzeichen zu erkennen, individuelle Notfall- und Rückfallpläne zu entwickeln und gesundheitsförderliche Alternativen zum Substanzkonsum aufzubauen.
Praxisbewährte Elemente aus strukturierten Behandlungsprogrammen, unter anderem aus dem Programm „Gesund ohne Abhängigkeit leben – GOAL“, werden exemplarisch vorgestellt und auf ihre Übertragbarkeit in unterschiedliche Arbeitsfelder geprüft.